Historische Tagung
„Neuenburg und der Bauernkrieg im Markgräflerland“
Informativ und spannend verlief die zweitägige Tagung zum Thema „Neuenburg und der Bauernkrieg im Markgräflerland“ am 19./20. September im Stadthaus, die von der Stadt Neuenburg am Rhein und der Abteilung Landesgeschichte des Historischen Seminars der Universität Freiburg veranstaltet wurde. Schirmherr der Tagung war Regierungspräsident Carsten Gabbert, der allerdings nicht persönlich anwesend sein konnte und ein Grußwort übermittelte, das im Rahmen der Tagung verlesen wurde.
Auch das 850-jährige Jubiläum von Neuenburg am Rhein kam nicht zu kurz. Es wurde am ersten Tagungstag mit einer von Stadtarchivarin Sabine Haberstroh gehaltenen Führung durch die Ausstellung „Ausgegraben! Archiv unter der Erde“ im Museum für Stadtgeschichte und einem spannenden Abendvortrag von Dr. Heinz Krieg (Freiburg) zur Gründung der Stadt Neuenburg am Rhein begangen.
Das andere große Thema der Tagung war das 500. Jubiläum des Bauernkriegs von 1524/25, von dessen Turbulenzen auch die Zähringerstadt Neuenburg am Rhein nicht verschont blieb. Neun renommierte Referenten analysierten unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Jürgen Dendorfer und Dr. Heinz Krieg (beide Freiburg) aus unterschiedlichen Blickwinkeln die damaligen Ereignisse.
In seinem Einführungsvortrag ging Prof. Dr. Jürgen Dendorfer auf die aktuelle Bauernkriegsforschung ein. Er betonte, dass das Markgräflerland während des Aufstandes keine ähnlich blutigen Gemetzel wie andere betroffene Regionen des Reiches erlebt habe. Das habe vermutlich an der mehr von Verhandlungen bestimmten politischen Kultur gelegen.
Mit einer „Annäherung in biografi schen Skizzen“ stellte Dr. Casimir Bumiller (Bollschweil) dem Plenum sieben ausgewählte Protagonisten vor, die als Anführer des Bauernkrieges im Südwesten auftraten. Sie standen den Zuhörern bei Bumillers Schilderung lebhaft vor Augen. Für Neuenburg spielte der Heitersheimer Hauptmann Hans Graf eine entscheidende Rolle, da es ihm gelang, die Zähringerstadt einzunehmen und zum Anschluss an die „Bruderschaft“ der Bauern zu zwingen.
Dr. Clemens Regenbogen (Stuttgart) widmete sich in seinem Vortrag den Lebensumständen der ländlichen Bevölkerung in der Region. Er untersuchte ihre Abgabenlast, aber auch ihre Möglichkeiten politischer Teilhabe und stellte heraus, dass die Bauern eben nicht nur „passive Herrschaftsunterworfene“ gewesen seien.
Über das Thema „Neuenburg am Rhein und der Bauernkrieg“ referierte Dr. Jürgen Treff eisen (Bruchsal). Während eine Besetzung der Zähringerstadt durch die Bauern 1524 noch verhindert werden konnte, wurde Neuenburg im Frühjahr 1525 schließlich von den Aufständischen eingenommen und trat der „Christlichen Bruderschaft“ der Bauern bei. Damit wurde Neuenburg zum Rückzugsort der rechtsrheinischen Aufständischen, als deren Gesandter wiederholt der damalige Altbürgermeister Lienhard Fuchs auftrat.
Ein bedeutender Akteur während des Bauernkriegs war Markgraf Ernst von Baden, dessen Handeln von Prof. Dr. Jürgen Dendorfer analysiert wurde. Ernsts Verhandlungen mit den Bauern scheiterten zunächst. Doch nachdem der Aufstand niederschlagen war, brachte er eine gütliche Einigung zustande.
Im Laufe des Bauernkrieges kam es auch im Markgräfl erland zu verschiedenen Gewaltausbrüchen, die allerdings nie in tödliche Gewalt gegen Menschen mündeten, wie Kai Börsig (Freiburg) in seinem Vortrag unterstrich. Ziel der aufständischen Bauern waren stattdessen Burgen und Klöster, wo sie plünderten oder Schriftgut vernichteten. Börsig ging vor allem auf die Symbolik und die Beweggründe der Gewalttaten ein und konnte zeigen, dass die Bauern eben keine homogene Masse, sondern eine Gruppe von Akteuren mit ganz unterschiedlichen Beweggründen waren.
Einen Blick über die Grenze unternahm der Philologe Arman Weidenmann (St. Gallen). Zwar kam es auch in der Eidgenossenschaft vereinzelt zu gewalttägigen Auseinandersetzungen, doch bot das komplizierte Ordnungssystem zwischen Bauern, geistlichen Herrschaften und der Eidgenossenschaft hier ein erprobtes System zur gewaltfreien Konfliktbewältigung.
Prof. Dr. Dieter Speck (Bad Krozingen) zeigte in seinem Vortrag, wie sich die unterschiedlichen zu den Bauern übergelaufenen Städte nach Kriegsende gegenüber ihren Landesherren rechtfertigten. Verständlicherweise waren die Städte in Bezug auf ihr eigenes Handeln dabei nicht immer ganz ehrlich, sondern hoben statt ihrer eigenen Handlungen und Versäumnisse etwa die Übermacht der Bauern oder die mangelnde militärische Unterstützung durch die Landesherrschaft hervor.
Einen weiteren Blick auf die Zeit nach den Bauernkriegen warf Joy Sheik (Freiburg). Nach schwierigen Verhandlungen wurde im sogenannten Offenburger Vertrag und in zwei Basler Verträgen geregelt, welche Entschädigungen die Bauern und die mit ihnen kooperierenden Städte an die Herrschaften zu zahlen hatten. Neuenburg erlangte mit Vertrag vom 17. Oktober 1527 „vollständige Vergebung“ vom Haus Habsburg.
Abschließend fasste Prof. Dr. André Krischer die Ergebnisse der Tagung zusammen und stellte fest, dass es eine sehr produktive Veranstaltung gewesen sei. Das hätten auch die lebhaften Diskussionen zu den Vorträgen gezeigt. Das Plenum bestätigte dies mit anhaltendem Beifall.

Bürgermeister Jens Fondy-Langela begrüßt die Zuhörerinnen und Zuhörer des Abendvortrags.

Die Veranstalter der Tagung (v. l. n. r.): Dr. Heinz Krieg, Prof. Dr. Jürgen Dendorfer (beide Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) und Neuenburgs Bürgermeister Jens Fondy-Langela.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung. Foto: Bianca Flier